Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde von Stuttgart

Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde von Stuttgart »Heiliger Elias« wurde im Jahre 1964 gegründet. In der Anfangszeit haben wir die Gottesdienste in der Kolpingskapelle gefeiert. Als die Zahl der Gottesdinstbesucher zunahm, wechselten wir in die Leonhardskirche, wo wir bis heute geblieben sind. Hier fanden wir eine besonders freundliche Aufnahme. Die Leitung der Leonhardskirche von damals bis heute ist uns in einem echten ökumenischen, aber auch schwesterlichen und brüderlichen Geist begegnet. Dies ist mehr als wir erwartet hätten, zumal die Gäste auch manche Probleme mit sich bringen. Über die Jahre ist uns diese Kirche ans Herz gewachsen. Die ersten zwei Monate am Anfang des Jahres halten wir unsere Gottesdiente in der Schloßkirche, da in der Leonhardskirche die Vesper für die Obdachtslosen stattfindet. Auch in dieser Kirche sind werden
sehr freundlich aufgenommen.

In der Leonhardskiche halten wir einmal im Monat, am dritten Sonntag um 12 Uhr, und auch an den großen Feiertagen des Kirchenjahres unsere Gottesdienste. Ausserdem finden hier auch andere Gottesdienste wie Taufen, Hochzeiten, Gedächtnisgottesdienste ... statt.

Die Tatsche, dass unsere Gemeindemitglieder die eigenen Gottesdienste und ihre kirchliche Traditionen in einer anderen Kirche als der eigenen feiern und pflegen, hat ihnen die Augen und den Horizont für die Wirklichkeit anderer Kirchen eröffnet. Zugleich verhilft es ihnen, nicht zuletzt die Wirklichkeit der eigenen Kirche aus der unmittelbaren Nachbarschaft mit den anderen Kirchen, in unserem Fall unter dem Dach derselben Kirchengebäude, besser zu verstehen. So entstehen
Kontakte und Gespräche mit evangelischen Christen.

Die Sprache der Gottesdienste ist rumänisch, aber auch deutsch, wenn es erforderlich ist, z.B. bei der Taufe und Beichte, bei Hochzeiten und Beerdigungen, damit beide verwandten Familien an den Gottesdiensten teilnehmen und sie verstehen können.

 

Seit ihrer Gründung bis heute befindet sich unsere Gemeinde unter der Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland, und durch sie unter der Jurisdiktion des Patriarchates von Konstantinopel. Unsere Stuttgarter Gemeinde ist eine Exilgemeinde. Sie entstand als Kirchengemeinde in Exil. Die gläubigen Rumänen, die vor der kommunistischen Regierung in Rumänien nach Deutschland geflüchtet waren, trafen diese Entscheidung aus der sicheren Kenntnis, dass der atheistische Staat den Wirkungsbereich der Orthodoxen Kirche in Rumänien erhebliche einschränkte und sie systematisch kontrollierte. Sie wollten, dass der »lange Arm« dieses Terrorregims nicht bis nach Stuttgart reichte. Durch Einschüchterugen und Bedrohungen versuchten die Handlanger dieserRegierung, die Teilnahme der Rumänen an unseren Gottesdinsten zu verhindern. Dass dies nicht geschah, ist sehr erfreulich und nicht zuletzt dem seit 1979 wirkenden Pfr.dr. Viorel Mehedinţu zu verdanken, dass die orthodoxen Rumänen in der Stuttgarter Gemeinde eine Zuflucht fanden, wo sie ihren Glauben und ihre kirchlichen Traditionen pflegen konnten.

Die Zugehörigkeit unserer orthodoxen Gemeinde von Stuttgart zur Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland hat mit der Geschichte nach dem 2.Weltkrieg zu tun und ist ein Problem der kirchlichen Organisation. Das Patriarchat von Konstantinopel hat in diesen Verfolgungsjahren fast ein halbes Jahrhundert sein schützendes Gewand über uns gehalten, und uns einen sicheren jurisdiktionellen Status geboten . Dass wir uns bis heute unter dieser Jurisdiktion befinden, ist unter anderen auch ein Ausdruck des Dankes und der erlebten Gemeinschaft.